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Offenbach-Post       Montag, 24.Dezember 2001

Süßer die Glocken nie klingen

Emil Weiss sorgt für den richtigen Klang vom Kirchturm und bei Musikinstrumenten

Süßer die Glocken nie klingen?!  Das wäre zu schön, um wahr zu sein, denkt sich Jazzmusiker und Maschinenbauingenieur Emil Weiss. Nicht nur zur Weihnachtszeit, auch während des liturgischen Läutens das ganze Jahr über würde der im slowakischen Bratislava geborene Weiss, der seit 1995 in Heusenstamm wohnt, sein Büro in NeuIsenburg hat, am liebsten die Ohren zuhalten, wenn das "aggressive Geläute" der katholischen Kirche Maria Himmelskron schräg gegenüber seiner Wohnung wieder einsetzt. Früher, sagt er, habe der Messdiener noch die Glocken geschlagen. Der"sanfte Kuss", wie der Schlag des Klöppels auf die Glocke genannt wird, ein Schlag gegossenen Eisens auf Bronze, wird heute längst durch eine elektronische Steuereinheit übernommen. Damit wird der Glocke, mit rund 4000 Jahren vermutlich eines der ältesten Musikinstrumente überhaupt mit Ursprungsland China, je doch die Möglichkeit genommen, sich richtig einzuschwingen.

In einem Beitrag für das TVMagazin "city" des Hessischen Rundfunks demonstriert der leidenschaftliche Tüftler Weiss dem Zuschauer dieses Phänomen anhand eines simplen Beispiels: eine umgedrehte Metallschüssel dient dabei als Glocke. Das Daraufschlagen in kurzen Abständen lässt nicht genug Schwingung zu und klingt deshalb stumpf.

Nicht nur die hunderte von Kilogramm schweren Glocken schwingen, wenngleich es bei diesen am deutlichsten sichtbar wird. Jedes Musikinstrument ob Metall oder Holz, gerät in Vibration, sobald es gespielt wird. Ein Musiker der sich ein neues Instrument zulegt, ist mitunter Jahre damit beschäftigt, es mühsam einzuspielen, es "gefügig“ zu machen. Von dem amerikanischen Gitarristen Lee Kottke erzählt man sich, er stelle seine zwölfsaitige Gitarre vor die Lautsprecherboxen, um sie auf diese Weise zusätzlich in Schwingung zu versetzen.

Seine Leidenschaft zur Musik, in diesem Fall dem Jazz, brachte auch den gelernten Maschinenbauer Weiss auf die Idee, den Klang von Musikinstrumenten zu optimieren, nachdem mit seiner Akustikgitarre kein "Durchkommen" gegen die anderen Musiker seiner Band mehr zu erreichen war. In Dortmund, wohin es ihn nach seiner Bochumer Studienzeit gezogen hatte, gründete er 1985 sein "institut für angewandte akustik" (ifa), das sich die Untersuchung komplexer Schwingungssysteme auf die Fahne geschrieben hatte.

Hier konnte mittels ausgedehnter Forschung sein Verfahren weiterentwickelt werden, das auf rein akustischem Weg Musikinstrumente klangoptimiert. Das mühsame, langwierige Einspielen wird dabei durch ein drei bis viertägiges Versetzendes Instruments in "Dauerschwingung" verkürzt. Diese greift grundlegend in das jeweilige Gittergefüge ein und entfernt damit dauerhaft störende Materialspannungen.

Dabei geht Weiss behutsam über bislang als höchstmöglich erachtete Frequenzen hinaus ein anspruchsvolles Verfahren, das bei Nachahmern nicht selten zum Bersten der Instrumente geführt hat. Nicht so bei Weiss. Natürlich kann auch er "aus einer Sperrholzgeige keine Stradivari machen", doch versteht er sich schließlich auch nicht als Ersatz für den Instrumentenbauer, sondern vielmehr als dessen sinnvolle Ergänzung.

"Schauen Sie", sagt er, und nimmt sich eine kleine Holzlokomotive vor, die er eine schiefe Ebene hochfahren lässt. "Wenn die eine Pause macht, rollt sie rückwärts wieder runter. Ist sie jedoch einmal oben angekommen, dann bleibt sie da."

Den gleichen Effekt will Weiss durch seine Klangoptimierung erzielen. Einmal optimiert, könnten weder Witterung noch längere Spielpausen die neugewonnene Leichtigkeit und Harmonie der Instrumente wieder zerstören.

Zahlreiche Dankesschreiben bekannter und weniger bekannter Musiker dienen Weiss als Referenz, über alle von ihm klangoptimierten Instrumente führt er haargenau Buch.

Darunter zählt seit einiger Zeit neben klassischen Geigen, Gitarren, Saxophonen, Querflöten und ähnlichen auch das weltweit einzige klangoptimierte Didgeridoo und eben, angeregt durch die "nachbarschaftliche Zumutung der Kirchenglocken“, die weltweit erste Glocke, deren Klangeigenschaften er nachweisbar positiv beeinflußt konnte.

Das Gutachten der seit 1590 im Familienbesitz befindlichen Glocken und Kunstgießerei Rincker in Sinn bei Wetzlar bescheinigt ihm denn auch ein "hervorragendes Ergebnis". Die 310 Kilogramm schwere Glocke bereits 1986 für die Paul-Gerhardt Kirche in Offenbach am Main gegossen worden. Auf Grund „zwei direkt nebeneinander liegender Untertöne stark schwebend und wimmernd" fristete der erste Guss jedoch seitdem sein Dasein "als völliger Ausschuss zu Versuchszwecken" in dem "Monteur‑Versuchsstand" der Firma. Die Offenbacher erhielten eine andere Glocke.

Schließlich wagte sich Emil Weiss, ohne vorher über die "Eigenheiten" der Glocke in Kenntnis gesetzt worden zu sein, an genau dieses Exemplar heran das "Projekt Quasimodo" war geboren. Die Kosten dafür übernahmen zu gleichen Teilen die Glockengießerei und der Ingenieur. Damit sollte ein Exempel für das von einigen Fachleuten weiterhin angezweifelte Klangoptimierungsverfahren statuiert werden, das keineswegs Zauberei, sondern schlicht und ergreifend solides, effektives Handwerk sei.

Wer kennt ihn nicht, den buckligen Glöckner von Notre Dame namens Quasimodo? So wie dieser Buckel wohl zu keiner Zeit dem optischen Schönheitsideal entsprach, empfinden Emil Weiss und viele seiner Nachbarn die Aggressivität des Glockengeläuts als akustischen Schönheitsmakel.

 "Das hämmernde Warngeläut braucht heute keiner mehr", so Weiss, "wo Glocken nicht nur zur Weihnachtszeit harmonisch und friedvoll klingen könnten."

von NINA LAUTERBORN

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